In einer fenster- und tĂŒrlosen Zelle
Description
In Kafkas Romanen gibt es keinen objektiv gĂŒltigen MaĂstab, mit dem wir die Wahrheit oder Falschheit von Aussagen prĂŒfen können. Die Perspektive der Figuren ist von der eines »objektiven« ErzĂ€hlers nicht grundsĂ€tzlich verschieden, aber die scheinbare ObjektivitĂ€t enthĂŒllt sich immer wieder als unzuverlĂ€ssig. Die Aussagen halten den Text in der Schwebe und wir erfahren eher etwas ĂŒber die IrrtĂŒmer der Figuren als verlĂ€ssliche Informationen. Der Text konfrontiert uns mit einer Vielzahl von Perspektiven und erlaubt uns keinen sicheren Blick auf die Welt im Text. Die Struktur der Romane ist so, dass eine nachtrĂ€gliche ErklĂ€rung nicht geliefert wird, dass also die ideologische Verzerrung der RealitĂ€t durch den Helden nicht an einem explizit gelieferten Wirklichkeitsmodell gemessen werden kann. Aber das bedeutet nicht, dass der Leser sich in genau derselben Lage wie die Figuren befindet und das Verstehen der Figuren nicht hinterfragen kann. Mit Hilfe von Foucaults Machtbegriff und Agambens Begriff der Profanierung â der politischen SĂ€kularisierung theologischer Begriffe â entwickeln Anette und Peter Horn eine neue Interpretation der Romane Kafkas.