Abjekte Antike
Description
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden obszöne Texte in Frankreich zu einem Problem erklĂ€rt, das nun nicht mehr nur Frage der persönlichen Empörung war, sondern staatliche Zensur und Strafe nach sich zog. Gleichzeitig verlor die antike Literatur im Laufe des 17. Jahrhunderts zwar ihren paradigmatischen Status, das Sprechen ĂŒber die ObszönitĂ€t antiker Texte nahm dabei aber immens zu und rekurrierte weiterhin auf antike AutoritĂ€ten. Ausgehend von diesem Paradox untersucht die Studie den Umgang mit dem PhĂ€nomen antiker ObszönitĂ€t in literaturtheoretischen, historischen und moralischen Diskursen vor allem des 17. und 18. Jahrhunderts. Vor dem Hintergrund eines festgestellten Bedeutungswandels von "obscenus" zu "obscĂšne" spĂŒrt sie interdiskursive Elemente in Traktaten, Lexika, Briefen, Editionen und Ăbersetzungen auf und analysiert (antike) ObszönitĂ€t als Kollektivsymbol humanistischen, höfischen, bĂŒrgerlichen, aufklĂ€rerischen und revolutionĂ€ren SelbstverstĂ€ndnisses. Sie beschreibt dabei ObszönitĂ€t als diskursives Moment dialektischer Distanzierung zwischen Interesse und Abstossung.